vier Jahre später an der Pariser Oper ur- Rund aufgeführt, steht seit der Bukarester Erst- aufführung 1955 — im Todesjahr Enescus — ständig im Spielplan des Instituts. Auch die Spielzeit 1968/69 wurde am 1. Oktober mit einer Ödipus-Vorstellung in neuer Ein- studierung eröffnet. Die Titelrolle sang Da- um vid Ohanesian, als Sphinx und Jokaste hörte man die Mezzos Zenaida Pally und Elena Pope, es dirigierte Cornel Trailescu — und die Aufführung hat mich in dem Glauben bekräftigt, daß dieses Werk noch eine große, nicht auf die Grenzen Rumä- die niens beschränkte Zukunft haben wird. Electrecord, das Budapester Schallplatten- unternehmen, hat den „ödipus" schon seit einger Zeit in einer Stereo-Aufnahme vor- Reise-Komponist Lars Werle liegen (auf ECE 160-163). Als interessante Neuaufnahme ist dagegen hier vor kurzem Musik misierte Gespräch und den Sprechchor bis eine Chorplatte mit dem Bukarester Ma- zum voll ausgebildeten Belkanto, vom re- drigal-Chor unter Mariu Constantiu er- alistischen Dialog bis zum Ensemble-Satz. schienen, die tadellose Leistungen bietet. Auch elektronische Elemente und realisti- Nicu Nicolau sche Tonmontagen fehlen nicht. Werles „Therese — ein Traum" ist inzwi- schen in der Originalbesetzung mit Mar- gareta Hallin und Erik Saeden sowie der Königlichen Hofkapelle unter Michael Gie- len von der Swedish Society Discofil ein- gespielt worden, von der im vergangenen Sommer drei Schallplatten von der Teldec für den deutschen Markt übernommen wur- den. Verhandlungen über Aufführungen der „Therese" in London schweben, und auch Menotti möchte sie auf den Spoleto-Fest- spielen zeigen. Frank Hedman Enescus „Ödipus" in Bukarest George Enescu wird oft als ein „Inter- Operndirektor nationaler" Künstler angesehen, was durch und Madrigalchor-Leiter seine Karriere als Geiger und seinen jahre- Mariu Constantiu langen Aufenthalt in Paris sicherlich ge- rechtfertigt ist. Er war aber auch musikali- scher Praezeptor seiner Heimat — ein ru- mänischer Kodaly, wenn man so sagen Jet-Prominenz darf: Er stiftete einen Kompositionspreis, und er stand lange Jahre an der Spitze in Argentinien der 1920 gegründeten Genossenschaft ru- Werles Reise mänischer Komponisten, deren hervorra- Eine Musiksaison in Buenos Aires — das ist gendster Vertreter er zugleich war. eine genauso überreiche Folge von Ereig- Heute wird sein Werk in Rumänien sorg- nissen wie in irgendeiner der europä- Am 2. März 1969 wird — ein ungewöhn- fältig gepflegt. Seine einzige Oper „ödi- ischen Metropolen. Und sogar die Namen liches Ereignis — das Werk des Schweden pus", 1916 begonnen, 1933 vollendet und der Stars sind dieselben . . . Den vielleicht Lars Johan Werle „Die Reise" seine Ur- größten Triumph konnte 1968 Elisabeth aufführung an der Hamburger Staatsoper Schwarzkopf feiern, die bisher in Argen- erleben. Die Regie führt sein Landsmann Verehrung auch in Stein: tinien nur durch die Schallplatte bekannt Lars Runsten, von dem auch das Libretto Enescu-Denkmai in Bukarest war und zu ihrem Debüt drei ausverkaufte stammt. Der Dirigent ist Leopold Ludwig, Liederabende in dem 3500 Personen fas- für die männliche Hauptrolle wurde Ragnar senden Teatro Colon gab. Die Sängerin Ulfung von der Königlichen Oper in Stock- wurde schon bei ihrem ersten Erscheinen holm verpflichtet. auf dem Podium mit Blumen und begei- Lars Johan Werle, 1926 geboren, gehört stertem Beifall empfangen. Unter den ga- keiner der Richtungen oder Gruppen der stierenden Instrumentalisten machte der heutigen Avantgarde an. Er wurde in Geiger Isaac Stern das größte Furore, und Schweden vor allem durch seine suggesti- auch das Gesamtgastspiel des Halle-Or- ve Arena-Oper „Therese — ein Traum" be- chesters unter Sir John Barbirolli erregte kannt, die — ebenfalls in der Regie von Lars Aufsehen. Aus der Hansestadt Hamburg Runsten, der auch das Libretto schrieb — kamen Wilhelm Brückner-Rüggeberg, der im Frühjahr 1964 ihre Premiere an der Mendelssohns „Paulus", Brahms' „Deut- Stockholmer Oper hatte und nach wie vor sches Requiem" und die Erstaufführung auf dem Spielplan steht. Die Kritik be- von Frank Martins „Golgatha" dirigierte, zeichnete das Werk einmütig als eine der und die Kantorei St. Petri unter Ernst großen Überraschungen der vergangenen Ulrich von Kameke, die sich einen schö- Jahre. nen Erfolg ersang. „Die Reise" handelt vom Menschen der Die Opernsaison des Teatro Colön besteht Wohlfahrtsgesellschaft, von seiner Bezie- traditionsgemäß aus einer italienischen, hungslosigkeit und Einsamkeit, seiner einer französischen und einer deutschen Blindheit und seinen Wahnvorstellungen. Spielzeit. Aus dem französischen Bereich Die Oper ist nicht gesellschaftskritisch en- war die Carmen-Aufführung unter Georges gagiert, übt aber indirekt eine gewisse Pretre mit Grace Bumbry ein Höhepunkt Kritik, indem sie Personen auftreten läßt, — zumindest in vokaler Hinsicht, in szeni- die im Guten wie im Bösen die innere scher Beziehung gab es manches zu be- Einstellung des Menschen unserer Gesell- mängeln. Unter den italienisch gesungenen schaft widerspiegeln. Die vokalen Aus- Werken gebührte die Palme den Vorstel- drucksmittel umspannen einen weiten Be- lungen von Wolf-Ferraris „Vier Grobianen" reich: vom naturalistischen über das rhyth- unter Leitung von Francesco Molinari-Pra- j der Bühne gestanden hatte, zuerst mit dem Gedanken spielte, Dirigent zu werden, KURZ NOTIERT sich dann aber für den Sängerberuf ent- schied und von Domgraf-FasSbaender aus- gebildet wurde. Da der Vater auf einem soliden Beruf bestand, lernte er Friseur; das Geld für seine künstlerische Ausbil- dung verdiente er sich beim „Tingeln", mit Akkordeon- und Klavierspiel in Tanz- kapellen. In Aachen trat Wohlfahrt 1955 sein erstes Engagement an; Felsenstein holte ihn 1957 an seine Ost-Berliner Komische Oper, abermals zwei Jahre später nahm er ein Triumphe in Argentinien: Angebot von Schuh an und ging 1961 Elisabeth Schwarzkopf von Köln nach Hamburg. Seine erste Rolle dort: der Pedrillo in Mozarts „Entführung", delli, der ein selten homogenes Ensemble den er im gleichen Jahr mit großem Er- In der neuen Historischen Serie von argentinischen und ausländischen Ge- folg auch bei den Salzburger Festspielen sangskräften zur Verfügung hatte; sodann sang. Seine letzte Partie in Hamburg, kurz von Heliodor erscheinen sieben weitere Platten. Unter ihnen befindet hörte man eine prächtige „Aida" unter vor seinem letzten Auftreten unter Karajan Bruno Bartoletti und in der Regie Marga- zu Ostern als Mime: der Schauspieler in sich eine Sammelplatte mit Lied- und Arien-Aufnahmen von Heinrich rita Wallmanns, mit Martina Arroyo in der Searles uraufgeführtem „Hamlet". Titelpartie, Carlo Bergonzi als Radames, Wohlfahrt, eine vitale, komödiantische Na- Schlusnus, eine Aufnahme des B-dur-Konzerts von Brahms mit Biserka Cvejic als Amneris und dem Amo- tur, verkörperte den so seltenen Typ des nasro Cornell MacNeils. Durchschlagenden Sänger-Schauspielers — als Frosch in der Elly Ney, Beethovens Fünfte unter Furtwängler sowie Recital-Platten Erfolg hatte aber auch die italienisch ge- „Fledermaus" hat er übrigens in Hamburg sungene Händel-Oper „Giulio Cesare" un- auch eine reine Sprechrolle übernommen. mit Alfred Piccaver und Franz Völker. ter Karl Richter mit der hochbegabten Be- Man muß einmal erlebt haben, wie er den verly Sills, Maureen Forrester und Nor- Albert Herring - die dritte Partie, die Ihm man Treigle in den Hauptrollen. frühen Weltruhm eingebracht hat — spielte: Von den deutsch gesungenen Werken gehemmt, linkisch, mit Brille, rötlichen Haa- stand nur Mozarts „Zauberflöte" unter ren, den Strohhut mit dem Maienkranz „Wie Meister üben" heißt eine einem weniger günstigen Stern; dagegen aufgestülpt: eine Karikatur seiner selbst, Buch-Platten-Serie des Panton- wurde Richard Strauss' „Schweigsame wobei ihm der Schalk aus den Augen Verlags Zürich, der in Deutschland Frau", musikalisch von Otmar Suitner be- lachte. Eigentlich ein Spieltenor, sprengte von C. F. Peters vertreten wird. treut, mit Carlos Feller, Hermann Prey, er durch sein Temperament, seine Intelli- Bisher sind fünf Bände erschienen, Gerhard Unger und Ruth-Margret Pütz zu genz und seine sängerischen Qualitäten in denen der Pianist Stefan einer beachtenswerten Aufführung, und die bald die Grenzen seines Fachs. Er ist ein Askenase, die Flötisten Andre Krönung der Saison bildeten Wagners vielseitiger Künstler gewesen, dessen Jaunet und Aurele Nicolet sowie „Meistersinger" mit Ferdinand Leitner als Charakterisierungskunst von dem köst- die Sopranistin Maria Stader an Dirigent, Ernst Pöttgen als Regisseur und lichen Szabuniewicz in Klebes „Jacobow- bekannten Werken der Musikliteratur den Bühnenbildern von Robert Oswald, ski und der Oberst" bis hin zum Maler In ihre Auffassung und Technik der sich demonstrativ von Neu-Bayreuth Bergs „Lulu" reichte; wobei Klebe erst erklären und Pater Roman Bannwart abkehrte. Von den Sängern erfüllten Franz wenige Wochen vor der Uraufführung sei- in die Kunst des Gregorianischen Crass (Pogner), Gerhard Unger (David) und ner Oper die Baß-Partie für Wohlfahrt um- Chorals einführt. Jeder Band und Gustav Neidlinger (Sachs) alle Erwar- geschrieben hat. In „Lulu" hörte Bing den enthält neben dem Textteil zwei tungen; auch Sandor Konya als Stolzing Sänger beim New Yorker Gesamtgast- 25-cm-Platten und kostet 78,— meisterte seine Aufgabe gut, und Ciaire spiel der Hamburger Oper und begann die bzw. 68,- DM. Watson war ein attraktives Evchen. In Ernst Verhandlungen. Ein Südamerika-Gastspiel, Pöttgens sonst treffsichre Regie hatten wiederum als Mime, hatte ihn auch dort sich einige sinnstörende Fehler einge- vor Jahresfrist noch bekannt gemacht. schlichen — zum Beispiel greift Beckmes- Der Tod ist, wenn die Nachrichten stim- ser in der Schusterstube fünf Papierbögen men, als Erlöser zu diesem jungen, vor auf, sieht sie durch und wirft sie wieder Kraft strotzenden Künstler gekommen. weg, ehe er auf das vermeintliche „Wer- Eine heimtückische Erkrankung der Nerven belied" von Sachs stößt, das er doch sinn- und der Blutgefäße hätte ihn zeitlebens gemäß „rein zufällig" finden müßte. Hier an den Lehnstuhl gefesselt; die hinzuge- sah es aus, als ob der Stadtschreiber beim kommene Lungenentzündung gab den Ärz- Schuster eine Hausdurchsuchung vor- ten wegen des bereits schlechten körper- nähme . . . Guillermo Knepler lichen Zustands keine Chancen mehr. Wohlfahrts Stimme ist uns unter anderem als „Rheingold"-Mime unter Karajan und als Maler in der „Lulu"-Aufnahme unter Leopold Ludwig erhalten. Sänger mit Carl-Heinz Mann Komödiantenblut „Musique royale" heißt ein neues Eine Etikett der Deutschen Grammophon Gesellschaft, das vor allem der Erinnerung an festlichen Unterhaltungsmusik der Vergangenheit gewidmet ist. Das Erwin Wohlfahrt Startprogramm aus fünfzehn Platten zum Preis von 16,— DM enthält In Hamburg starb nach monatelanger Aufnahmen der Archiv-Produktion schwerer Krankheit der Tenor Erwin Wohl- und soll im Laufe der Zeit um fahrt. Der erst sechsunddreißigjährige Beispiele stilvoll unterhaltsamer Kammersänger der Hamburgischen Staats- Musik aus allen Bereichen erweitert oper hat sein jüngstes Engagement, zu- werden. gleich die Bestätigung für eine Weltkar- riere, nicht mehr antreten können: einen Dreijahresvertrag an der Metropolitan. Er hätte den David aus den „Meistersingern" Die Regensburger Domspatzen (unser Bild) und den Mime in Wagners sind von der Deutschen Grammo- „Ring" singen sollen — jene beiden Par- phon exklusiv verpflichtet worden. tien, die seinen Ruf als Sänger und Dar- Eine erste Aufnahme mit Werken steller vor allem begründet hatten, seitdem Mozarts unter Rafael Kubelik stand er 1963 und 1965 damit in Bayreuth de- am Beginn einer geplanten Auf- bütierte. Der gebürtige Nürnberger war ein nahmeserie zum systematischen Vollblutkünstler, der schon als Kind — Aufbau eines Repertoires geistlicher in Operetten und im Schauspiel — auf Musik. fono forum 1/1969