Kein Pianist fürs Bürgerpublikum
Jahrelang verweigerte sich der Pianist Friedrich Gulda ..normalem" Konzertleben und Konventionen. So mochte er den h •- Beethoven-Ring der Wiener Musikakademie nicht haben; so sagte er, 1962. plötzlich alle Konzerte ab: „Ich lasse mich nicht in fünfzig Klavierabende einsperren." Auch seinen Repertoire-Zulieferern wurde „BeethovenIntimus Gulda" (Der Spiegel) untreu: Der Jazz und eine „neue Musik", was immer das bei Gulda sein mochte, trat an die Stelle der Klassiker, „denn sie kennen die Probleme der heutigen Menschen nicht". Inzwischen hält es Gulda - „in Ausnahmefällen" - wieder für „erfreulich, einem jungen, aufgeschlossenen Auditorium auch ein bißchen historisch-traditionelle Musik vorzuführen". Dem bürgerlichen Publikum, bei dem „eh nichts verändert werden kann", will er allerdings auch weiterhin nicht aufspielen.