250. GEBURTSTAG
Anmerkungen zu einem unterschätzten Komponisten von Attila Csampai Unser heutiges Verhältnis zu Joseph Haydn und seiner Musik wirkt auf den ersten Blick wohl unkompliziert, erweist sich aber bei näherem Hinsehen doch als einigermaßen problematisch, um nicht zu sagen zwiespältig: „Wie zu den lieben alten Märchen, die man als Kinder mit Entzücken von der Großmama gehört hat, kehrt man von Zeit zu Zeit wieder in die tröstliche und frohe Welt des Vaters Haydn zurück", beschrieb die Sängerin Anna Bahr-Mildenburg um die Jahrhundertwende jenes weitverbreitete merkwürdige Gefühl, das die neuen bürgerlichen Musikgenerationen schon bald nach Haydns Tod für ihren Urvater nur noch empfanden; und es scheint tatsächlich so zu sein, als ob das sicherlich positiv gemeinte, aber dennoch objektiv abschätzige Urteil des 19. Jahrhunderts heute noch unser Verhältnis zu Joseph Haydn bestimmte, der eben nach wie vor ein gemischtes Gefühl - von etwas Vertrautem, aber zugleich Veraltetem, von etwas Gediegenem, jedoch auch Infantilem und zugleich wieder Tröstlichem - in uns hervorruft, jenen „Papa Haydn" eben, den freundlichhumorvollen alten Geist der Wiener Klassik, den man sich stets nur als älteren Herrn mit grauer Perücke, nie jedoch als jungen Mann vorstellen konnte.