Nachklänge lichter Katastrophen
Grandseigneur und Einzelgänger unter den französischen Komponisten: Der 1916 in Angers geborene Henri Dutilleux paßt in keine der gängigen Schubladen. Weder Neoromantiker, Serialist, Avantgardist noch Spielmu- sikfabrikant, beschwört er in seinem schmalen, kaum fünfzig Veröffentli- chungen umfassenden CEuvre romani- sche Vollmondnächte voll rätselhaft irisierender Klänge. Er zaubert Musik, die - auch wenn sie oft rhythmisch dezidiert dahinstürmt - nie „eigent- lich" wirkt, sondern immer wie durch einen dezent farbigen Glasfilter gese- hen. Kein großes Pathos baut sich auf, keine verzehrenden Leidenschaften, und selbst in den größten Ausbrüchen gibt es keine plakative Direktheit. Noble Zurückhaltung bestimmt das Bild, voll eines milden, aber recht existentiellen Ausdrucks - wie Nach- klänge lichter Katastrophen.