Von der hohen Kunst, natürlich zu bleiben
Sie war wohl eine der Hauptverantwortlichen dafür, daß Henryk Göreckis „Sinfonie der Klagelieder" weltweit zu einem Millionen-Seiler geworden ist. Wer Dawn Upshaw aber ^ lediglich durch ihre bohrend intensive Interpretation der Klagegesänge jener dritten Sinfonie des Polen kennt, der weiß wenig von ihren Fähigkeiten. Denn das künstlerische Kapital der amerikanischen Sängerin liegt nicht in dem, was man eine „markante Röhre" nennt, sondern in der Direktheit und Vielfältigkeit ihres Ausdrucks sowie in einer nach allen Seiten hin offenen Persönlichkeit. Mit ihrer neuen CD „Blue moon: Songs to Morpheus" — lauter Nacht-Stücken von Claudio Monteverdi bis George Crumb — beweist Dawn Upshaw erneut: Sie versteht es, ihren Sopran so raffiniert ein- und umzufärben, daß auch kleine vokale Besonderheiten zu Bedeutungspartikeln in einem vielstimmigen Ganzen werden.