Voll Leidenschaft
Sie sagt von sich selbst, sie habe das „ewige Hosenrollenpatent" besessen, bis sie Mitte der 60er Jahre von Octavian zur Marschallin wechselte. Ohne Sena Jurinac, die am 24. Oktober ihren 75. Geburtstag feiert, wären Glyndebourne, Edinburgh und Salzburg in den späten fünziger Jahren nicht denkbar gewesen. Mit dem dunkel timbrierten Klang ihres Soprans gestaltete sie dort alle Mozart-Partien, arbeitete aber auch an fast allen großen Bühnen der Welt mit den größten Dirigenten ihrer Zeit zusammen, bis sie 1982 ihre aktive Sängerlaufbahn beendete. Unter den vielen Rollen, die sie mit der für sie bezeichnenden Intensität und Leidenschaft erfüllte, waren die Leonore, Donna Elvira und Anna, Desdemona und Tosca. Als Komponist neben Christa Ludwig, damals als Ariadne, war sie 1964 für viele die Idealbesetzung schlechthin. Heute arbeitet Sena Jurinac als Gesangspädagogin und setzt sich noch immer engagiert mit Musiktheater auseinander. Mit Sena Jurinac sprach Dagmar Zurek.