Wilhelm Furtwängler
Sobald von ihm die Rede ist, wird der Ton unweigerlich respektvoll und ernst, manchmal auch feierlich. Furtwängler, das ist ein überragendes Monument, zu dem man nicht anders als aufschauen kann. Ihm selbst hätte dieses Bild wahrscheinlich mißfallen, war doch für ihn das „Gemeinschaftserlebnis“ zwischen Komponist, Interpret und Publikum das Wesentliche überhaupt. Über den Mythos, das Phänomen Furtwängler ist viel Kluges gesagt worden, ebenso über den genialen Musiker. Um so auffälliger, daß die entscheidende Dimension im Musizieren Furtwänglers viel zu wenig Beachtung fand: Das Seelische. Gefühl und Liebe, Instinkt und Natur, das waren für ihn die entscheidenden Dinge. Was wir heute so gern mit „professionell“ gleichsetzen, nämlich Intellekt, Technik und Training – das alles spielte für Furtwängler eine untergeordnete Rolle. Deutsche Journalisten, vor allem der post-68er Ära, nahmen das nicht gern zur Kenntnis, auch Künstler taten sich mit dieser Haltung schwer. Zu den wenigen, die keine Hemmungen hatten, in Zusammenhang mit Furtwängler über Begriffe wie „Seele“ und „Liebe“ oder „emotionale Intelligenz “ zu sprechen, gehört Werner Thärichen, der ehemalige Solopauker der Berliner Philharmoniker. Seine Erinnerungen (siehe Literaturangaben S. 29/32), vor allem aber die Offenheit von Elisabeth Furtwängler gaben den Anstoß für die folgenden Gespräche.