Juli 2006
EMPFEHLUNGEN DES MONATS ★ = belanglos ★★ = bescheiden ★★★ = gut ★★★★ = sehr gut ★★★★★ = hervorragend 64 FONO FORUM 07/06 I n den 1990er Jahren hatten Sigiswald Kuijken und Luc Devos bereits drei CDs mit Mozart-Sonaten vorgelegt (siehe FF 12/1994 und 11/1997). Nun wurden die fehlenden Stücke eingespielt und zusammen mit den früheren Aufnahmen in einer preiswerten Box veröffentlicht, wobei die Werke aus Mozarts Kindheit sowie die „Kleine Klaviersonate für Anfänger mit einer Violine“ KV 547 unberücksichtigt blieben. Um mit einem bedauerlichen Detail anzufangen: In der Sonate KV 301 langt Kuijken einmal kräftig daneben (CD 4, Tr. 2 bei 4’19’’). Das kann passieren, hätte aber vom Aufnahmeleiter bemerkt und spätestens beim Schneiden korrigiert werden müssen. Ansonsten ist diese Einspielung mustergültig. Kuijken „singt“ mit weiten, erhabenen Gesten, seine Bogenführung besticht durch eine ungemein wendige Artikulation, und in seiner Interpretation geht es nicht um Theaterdonner, sondern um Geistesblitze. Man höre nur den Beginn der Sonate KV 377, wo der enorme TriolenEsprit mit charmanter Eleganz abgefedert wird. Bemerkenswert ist auch das helle Timbre von Kuijkens Geige (Grancino,ca.1700),das Mozarts Musik in ein historisch angemessenes Licht taucht. Ebenso hat Luc Devos das optimale Instrumentarium für diese Stücke gewählt, nämlich zwei Kopien jenes Flügels von J.A. Stein, den Mozart bekanntlich sehr schätzte und der noch schlanker klingt als die Walter-Klaviere, die Mozart erst später bevorzugte. Hier kann der Pianist endlich einmal forte spielen, ohne den Geiger zuzudecken, hier erst ergeben die Oktavierungen der linken Hand einen plausiblen Sinn. Der Nuancenreichtum, den Devos auf diesem Modell erzielt, entspricht dem Feinsinn, mit dem er die Korrespondenz zu seinem musikalischen Partner gestaltet. Matthias Hengelbrock Musik ★★★★★ Klang ★★★★ Mozart, Sämtliche Sonaten für Klavier und Violine; Luc Devos (Klavier), Sigiswald Kuijken (Violine) (1991-2005) Accent/Note1 5 CD 20041 (298’) Geistesblitze ★